Foto: Mario Steinebach / TU Chemnitz PANORAMA 21.02.13 15:29 Uhr

TU Chemnitz: Mit Lego-Roboter und Videobändern zur CeBIT

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Medieninformatiker der Technischen Universität Chemnitz haben ein Baukastensystem zur Archivierung von Videobändern entwickelt. Dieses Projekt zur Rettung alter Videoaufnahmen auf Magnetbändern wird die Forschergruppe vom 5. bis 9. März auf der CeBIT in Hannover vorstellen. Hintergrund der Idee ist die begrenzte Haltbarkeit von Videobändern. „Ging man ursprünglich von einer Haltbarkeit von zehn bis 15 Jahren aus, zeichnet sich in Wirklichkeit eine deutlich größere Spanne von bis zu 30 Jahren ab - je nach Qualität der Lagerung“, sagte Prof. Dr. Maximilian Eibl, Inhaber der Professur Medieninformatik der TU Chemnitz. Sicher aber sei: „Die alten Kassettenformate werden in absehbarer Zeit zerstört sein.“

Mit dem neuen Prinzip soll das audiovisuelle Material nicht nur gerettet, sondern auch für die Weiterverwendung aufbereitet werden können. Dazu gehören neben der Digitalisierung auch die automatische Anreicherung mit Beschreibungsdaten sowie die Integration in eine Suchmaschine. Dabei werden zunächst voll automatisiert aus den eingelesenen Audio- und Videodateien die sogenannten Metadaten extrahiert. Dazu gehört neben Personen auch die Erkennung von eingeblendeten Texten sowie Informationen zum Sprecher und zum Gesprochenen. Diese Daten können anschließend durchsucht werden, was besonders für Recherchezwecke von Vorteil ist. All diese Schritte wurden in einer durchgehenden "Digitalisierungs- und Annotationsstraße" verbunden.

Zum Umfang der Digitalisierungsstation gehört auch ein eigens konstruierter Roboter, der die Videoplayer mit unterschiedlichen Kassettenformaten füllt. Das Besondere daran, der Roboter wurde aus etwa 10.000 Lego-Teilen gebaut und wird durch drei Lego Mindstorm-Einheiten gesteuert. „Die Konstruktion aus Lego-Teilen ruft meist ein Lächeln und oft auch nostalgische Gefühle hervor“, weiß Eibl zu berichten. „Sie ist aber nicht nur günstiger als ein Industrieroboter, sondern auch sehr flexibel.“ Der Roboter bedient insgesamt zwölf Player. Er holt die Kassetten aus einem Schacht, in dem die zu digitalisierenden Kassetten gesammelt sind, und legt sie in das richtige Gerät ein. Danach startet er die Digitalisierung und bringt nach getaner Arbeit die Kassetten in ein Magazin.

Das System hat die erste 100-Tage-Testphase erfolgreich absolviert und dabei etwa 1.000 Stunden Videomaterial archiviert. Aber die Nachwuchsforscher haben sich schon neue Ziele gesetzt und wollen ein spezielles ID-System entwickeln, um technische Randinformationen der Videokassetten wie handgeschriebene oder aufgedruckte Titel automatisch über QR-Tags in einer Datenbank zu erfassen. Diese Daten sollen anschließend mit den inhaltlichen Daten verbunden und im praktischen Einsatz getestet werden. Für dieses Vorhaben sind die Forscher auch weiterhin auf der Suche nach Kooperationspartnern. Die CeBIT bietet dafür gute Möglichkeiten. Zu sehen sein wird das Projekt in der Halle 9 am Stand A10 "Forschung für die Zukunft".


Foto: Mario Steinebach / TU Chemnitz
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